Angst vor Arbeitsplatzverlust

Ein 40jähriger Angestellter hat uns geschrieben:

„Ich hoffe, dass Sie mir einen Rat geben können. Ich habe einen Super-Arbeitsplatz, der mir auch sehr gefällt. Mein Arbeitgeber ist fair und loyal, die Bezahlung ist okay, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Trotzdem habe ich große Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, habe jetzt schon Schlafstörungen bekommen. Was soll ich bloß machen? Ich nerve auch schon meine Familie.“

Wie ich die Sache sehe, haben Sie ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Man kann natürlich sagen, in unserer heutigen Zeit ist ein sicherer Arbeitsplatz Gold wert. Aber Sie haben einen solchen – und trauen dem Braten trotzdem nicht. Woran liegt das? Für mich kommen da folgende Möglichkeiten in Frage: 1.) Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht mit vermeintlichen Sicherheiten, 2.) Sie sind sehr unsicher und glauben nicht an Ihre Fähigkeiten und 3.) Sie fühlen sich überverantwortlich, zum Beispiel für das Wohl Ihrer Familie; für den reibungslosen Ablauf am Arbeitsplatz; für den Ruf der Firma, für die Sie arbeiten?

Letztlich läuft alles darauf hinaus, dass man sich selbst in die Augen schauen kann, d. h. man macht seine Arbeit so gut, wie man es kann, nach bestem Wissen und Gewissen. Machen Sie sich klar, dass Sie nicht mehr tun können, als Sie ohnehin schon tun. Sie KÖNNEN nicht mehr tun, es ist das Beste, das Sie geben können! Und das muss reichen! Setzen Sie sich mit Ihrer Begrenztheit auseinander; es gibt immer Menschen, die besser, schneller, begabter sind als wir. Aber das ist hier nicht die Frage. SIE sind gut so, wie SIE sind!!! Legen Sie sich abends schlafen, machen Sie die Augen zu und vertrauen Sie darauf, dass der neue Tag Ihnen die Herausforderungen zuspielt, die Sie bewältigen können. Alles andere können Sie ruhig vernachlässigen. Genießen Sie stattdessen lieber Ihre Familie als Ressource, als Kraftquelle; und besinnen Sie sich auf das, was Ihnen außerhalb der Arbeit Spaß macht! Und vergessen Sie nicht, dass Ihr Arbeitgeber SIE wollte, sonst hätte er Sie nicht engagiert. Und was Ihr Sicherheitsbedürfnis angeht, könnten Sie sich- vielleicht mithilfe einer Psychotherapie – auf die Suche begeben nach Auslösern, die Sie so in Unruhe versetzen. Wie oft ist es hilfreich, ein vertieftes Verständnis für die eigenen, oft verborgenen Quellen der Angst zu entwickeln! Denn dann können wir die Angst gezielt angehen, verstehen, was sie uns eigentlich sagen will und dann für Abhilfe sorgen – in Achtung, Respekt und Würdigung der ursprünglich positiven Absichten dieser Angst. Die Angst ist KEIN böses Gefühl; sie will uns aufmerksam machen für das, was WIRKLICH los ist. Sie ist eigentlich eine WIRKLICH gute Freundin. Ich weiß, dass dieser Denkansatz sehr schwer zu verstehen und umzusetzen ist. Aber nur Mut, es lohnt sich! Bitten Sie Ihre Angst (in Gedanken), auf dem Sofa Platz zu nehmen, bieten Sie ihr ein Glas Tee an und warten Sie liebevoll und geduldig ab, was sie sagt. Sie werden erstaunt sein, was da rauskommt. Vielleicht sagt sie so etwas wie „Ich bin da, weil du dich schon so oft hast unterkriegen/ demütigen lassen, und das möchte ich verhindern, ich möchte dich davor bewahren“. Nun, und dann können SIE Ihre Angst beruhigen, ihr sagen, dass sie sich da keine Sorgen zu machen braucht, denn SIE passen ja auf… Manchmal ist es fast schon witzig, welche Wendung eine Sache nimmt, wenn man sich ihrer wirklich annimmt … und zuhört, was die Symptome (Angst, Schlaflosigkeit, Grübeln) uns sagen wollen. Fragen Sie einfach Ihre Schlaflosigkeit (zum Beispiel), und Sie werden IHRE Antwort bekommen.

Weitere Texte

Angst vor Arbeitsplatzverlust

Ein 40jähriger Angestellter hat uns geschrieben: „Ich hoffe, dass Sie mir einen Rat geben können. Ich habe einen Super-Arbeitsplatz, der mir auch sehr gefällt. Mein Arbeitgeber ist fair und loyal, die Bezahlung ist okay, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Trotzdem habe ich große Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, habe jetzt schon Schlafstörungen bekommen. Was

Wie gehe ich mit meiner dementen Mutter um?

Henriette schreibt: „Ich, 54 Jahre alt, pflege seit einigen Jahren meine an Demenz erkrankte Mutter, 76 Jahre alt. Sie ist körperlich noch topfit. Seit längerer Zeit schon bezeichnet sie mich als ihre Großmutter. Diese Tatsache, vom Kind zur „Oma” zu werden, ist für mich sehr schwierig – ich bin doch ihr Kind! Wie gibt es

Scroll to Top