Wie gehe ich mit meiner dementen Mutter um?

Henriette schreibt: „Ich, 54 Jahre alt, pflege seit einigen Jahren meine an Demenz erkrankte Mutter, 76 Jahre alt. Sie ist körperlich noch topfit. Seit längerer Zeit schon bezeichnet sie mich als ihre Großmutter. Diese Tatsache, vom Kind zur „Oma” zu werden, ist für mich sehr schwierig – ich bin doch ihr Kind! Wie gibt es da eine Hilfe für mich – um mit dieser Situation besser umgehen zu können? Kann ich mir persönlich überhaupt helfen lassen?”

Sie können sich immer „helfen lassen“ – sofern Sie dies wirklich wollen. Wenn Sie Hilfe brauchen und offen sind dafür, also auch etwas annehmen wollen, dann werden Sie profitieren. Ich werde in meiner Praxis manchmal gefragt, ob Hypnose auch wirkt, wenn man eigentlich keine Hypnose machen will. Aber warum sollte ich auf die Idee kommen, Hypnose zu machen, wenn dafür keine Bereitschaft da ist? Was ist das für eine Frage?!

Ich persönlich glaube, wenn jemand so fragt, hat er entweder keine Bereitschaft zur Veränderung oder sowenig Vertrauen in sich selbst und den Behandler, dass er sich gar nicht vorzustellen vermag, dass er sich verändern könnte. Hier kann sicher eine Psychotherapie helfen, den Weg zu ebnen und Misstrauen zu beseitigen, und es ist ja auch in Ordnung, skeptisch zu sein.

Kurz, zu mir kommen nur Menschen, die gern eine Hypnotherapie machen wollen oder Aufklärung über Hypnose wünschen oder in verschiedenen Lebensbereichen eine kompetente Beratung oder ein kompetentes Coaching erhalten möchten. Die einzige Voraussetzung besteht darin, sich zu öffnen und sich einzugestehen, dass man alleine nicht weiterkommt.

Zu Ihrer Situation mit Ihrer Mutter möchte ich sagen, dass es mir so vorkommt, als seien Sie noch sehr ein „Kind”. Warum ist es für Sie „sehr schwierig”, mit der Anrede „Oma” zurechtzukommen?

Ihre Mutter ist körperlich fit, aber krank, was die Gedächtnisleistung betrifft. Man könnte dieser Situation auch mit liebevollem Humor und Wohlwollen entgegenkommen.

Dies scheint für Sie nicht m glich zu sein; ich glaube, Sie leiden sehr darunter, dass Ihre geliebte Mutter überhaupt dement geworden ist und Ihnen nicht mehr so zur Verfügung steht, was die Kommunikation betrifft und wie Sie es all die 54 Jahre gekannt haben.

Psychologisch gesehen geht es hier um Trauer und Abschiednehmen von einer Situation, die schön war, sich aber nun verändert hat. Sie könnten Ihren Blick auch auf das Positive lenken, nämlich, dass Ihre Mutter keine körperlichen Gebrechen und Schmerzen hat. Manchmal relativiert sich dann das Leiden der Angehörigen.

Sie könnten sich psychotherapeutische Hilfe holen; es ist keine Schande, sich helfen zu lassen, sondern ein Ausdruck von psychischer Gesundheit.

Es wird nirgendwo gelehrt, mit belastenden Situationen umzugehen, woher also sollen Sie all das können? Psychotherapie hilft, Versäumtes nachzuholen und aufzuarbeiten.

Hier noch Buchtipps für Sie zum Weiterlesen: Udo Baer, „Das Herz wird nicht dement” sowie Sabine Kieslich, „Demenz. Der Angehörigenratgeber”.  

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