Kind mit ADHS

„Unsere Nichte, 14 Jahre jung und auf dem Gymnasium, wurde ADHS attestiert. Jetzt muss sie „Ritalin“ einnehmen. Wir sehen sie täglich mehr und mehr abnehmen. Sie ist total abgemagert. Aber auch psychologische Gespräche fanden im Beisein ihrer Mutter (meiner Schwester) statt. Gibt es hierzu eventuell Alternativen, um auf die Ursache zu treffen?“

Für mich klingt das, als fühlten Sie sich sehr hilflos und fremdbestimmt. Eine ADHS-Diagnose ist sicher ernst zu nehmen, aber es gibt Hilfsmöglichkeiten. Über die Einnahme von Ritalin bestimmen auch letztlich die Eltern; manche Eltern halten viel von Ritalin, andere nicht.

Dass Ihre Nichte so abgenommen hat, sehe ich als Signal. Sie scheint eine Pubertätsmagersucht entwickelt zu haben, und das gehört unbedingt in eine psychotherapeutische Behandlung. Ich denke da an eine Einzeltherapie bei einer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin , in die Ihre Nichte allein gehen sollte. Ihr Abnehmen ist ein unbewusstes Signal; anfangs wollte sie vielleicht bewusst abnehmen, um schlanker zu werden, aber dann hat sich das Ganze verselbständigt.

Sie sollte in einer Einzeltherapie zunächst ihre Nöte ausdrücken dürfen, ohne einen Einfluss von außen oder aus der Familie; denn wie soll sie in Gegenwart ihrer Mutter erzählen, warum sie sich „dünne machen“ will, wenn dies vielleicht mit der Mutter zu tun hat? Später ist an ein familientherapeutisches Setting durchaus zu denken, entsteht doch die Magersucht auch – nicht nur – in dieser Familie, und sie drückt oft etwas aus, was in der Familie nicht stimmt. Ihre Nichte ist also der „identifizierte Patient“, da sie die eindeutig „Kranke“ ist, aber eigentlich ist vielleicht die Familie krank (der man das so – von außen – aber nicht ansieht).

Das Unbewusste sucht immer eine Lösung, und das Symptom ist oft der Kompromiss aus einem inneren Konflikt. Man kann daher jedes Symptom als Hilferuf des unbewussten Systems verstehen, bei einer Magersucht vielleicht so etwas wie „Hilfe, mich sieht keiner!“ oder „Lasst mich doch alle in Ruhe!“ oder „Meine Mutter braucht Hilfe, die ruft aber nicht, daher tue ich es!“ oder „Ich will keine Frau werden, was dabei herauskommt, sieht man ja an meiner Mutter!“ oder „Ich habe Angst vor den Jungs!“. Das Wichtigste und Schwierigste ist, das Mädchen zum Reden zu bringen, denn meistens finden die Anorektikerinnen (die Magersüchtigen) sich völlig in Ordnung und wollen nur noch mehr abnehmen. Einfühlung, Vorsicht, Umsicht, Achtsamkeit und eine starke Vertrauensbeziehung sind hier in der Therapie vonnöten.

Hier ein paar Literaturhinweise. Für ADHS: Kerstin Naumann u. a. : Rastlose Kinder, ratlose Eltern: Hilfen bei ADHS; Uta Reimann-Höhn u. a.: ADS – So stärken Sie Ihr Kind: Was Eltern wissen müssen und wie sie helfen können. Für Magersucht: Brigitte Biermann: Engel haben keinen Hunger; Christine Fehér: Dann bin ich eben weg; Mara Schwarz: Magersucht ist kein Zuckerschlecken.

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