Rentner mit depressiven Verstimmungen

„Sehr geehrte Frau Lingnau, ich bin seit einem Jahr Rentner und habe mit Leidenschaft in meinem Beruf als Entwicklungsingenieur gearbeitet. Ich war wohl ein richtiger Workaholic. Heute lebe ich in einem schönen Haus mit einem wunderbaren Garten mit Fischteichen, zusammen mit meiner Frau, die sich sehr auf mein Rentenalter gefreut hat. Mir aber macht gar nichts Spaß, jetzt, wo ich doch alles genießen könnte. Mir fehlt meine Arbeit, und ich fühle mich deswegen schon schuldig, weil ich mich doch jetzt mehr auf meine Frau konzentrieren sollte und dies auch möchte. Aber schon morgens fehlt mir der Antrieb, ich bin appetitlos und durchweg lustlos und schlapp. Ich kann mit meiner Zeit nichts Rechtes anfangen; früher hatte ich Träume, aber nun macht mir diese depressive Stimmung einen Strich durch die Rechnung. Was kann ich tun, um sie loszuwerden?“

Ich bin nicht sicher, ob es sich „nur“ um eine depressive Verstimmung handelt oder ob Sie unter einer ernsthaften Depression leiden; viele Anzeichen sprechen dafür. Daher rate ich Ihnen, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, vielleicht benötigen Sie auch ein Antidepressivum; die Entscheidung darüber wird Ihr Psychotherapeut treffen.

Sie haben Ihr Leben stark der Arbeit gewidmet und offenbar Ihre eigenen Bedürfnisse hintenan gestellt und „vergessen“. Nun konfrontiert Sie die freie Zeit mit Gefühlen von Leere und Kraftlosigkeit. In einer Psychotherapie können Sie lernen, wieder an ihre Kraftquellen, die verschüttet sind, heranzukommen und diese auszugraben. Doch zunächst geht es nicht darum, Ihre depressiven Gefühle „loszuwerden“, wie Sie es am liebsten möchten, sondern diese zunächst, in einem ersten Schritt, zuzulassen, um herauszufinden, welche Gefühle mit diesen Symptomen wirklich überlagert werden. Vielleicht sind es Gefühle von Wertlosigkeit, Überflüssig-Sein oder fehlender Beachtung?

Ihr Bewusstes Denken sagt Ihnen, dass Sie nun Ihr Leben mit Ihrer Frau genießen könnten. Ihr Unbewusstes Denken will Sie aber auf – vorher noch – zu leistende Aufgaben aufmerksam machen; daher die Depression. Wahrscheinlich müssen Sie herausfinden, wer Sie sind ohne den beruflichen Erfolg; Ihr Lebenssinn scheint ja sehr von dem Beruf genährt worden zu sein.

Hypnotherapie kann helfen, wieder an Ihre Ressourcen zu kommen und Ihre Träume von damals so umzuwandeln, dass Sie für den kommenden Lebensabschnitt wieder Ziele haben. Denn Ihnen fehlen Ziele, die Sie für passend halten für Ihren Ruhestand. Vielleicht geht es nicht darum, sich nur auf Hobbys zu konzentrieren, sondern eine sinnvolle, ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben? Ihr Unbewusstes weiß besser als Ihr bewusster Verstand, was Sie jetzt wirklich brauchen.

Information zur Klinischen Hypnose finden Sie auf meiner Homepage unter www.gabrielelingnau.de sowie auf den Webseiten der M. E. G. und der DGH.

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